seltene Fledermausart auf geplantem Hochseilgarten Gelände in Odenthal Eikamp gesichtet, am 20.09.2008
alex 21. September 2008
Liebe Fraktionen der Gemeinde Odenthal,
am 20.09.08 führte Frau Höller mit ihrem Kollegen Herr Niggemeyer in der Zeit von 16:30- 21.00 Uhr noch einmal Fledermausbeobachtungen am Kramerbusch durch. Dabei konnten 5 Exemplare des großen Abendseglers (seltene Fledermausart), eine Bartfledermaus und mehrere Zwergfledermäuse beim Jagdflug am nördlichen und westlichen Waldrand des Kuppenwaldes beobachtet werden. Nach Aussagen der Biologen eignet sich das Gebiet des hoch gelegenen Kuppenwaldes hervorragend für den großen Abendsegler und bietet ihm sehr gute Lebens- und Jagdbedingungen. Mit Hilfe eines Gerätes, das die Lockrufe von Fledermäusen immitiert, konnte man von einer hoch gelegenen Baumhöhle, Balzrufe vom großen Abendsegler identifizieren. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass die Stammhöhlen der Bäume optimale Rückzugsmöglichkeiten für die Fledermäuse bieten und auch als Überwinterungsquartiere geignet sind. Mit Hilfe eines Endoskopes wurden die unteren Stammhöhlen untersucht. Die unteren Stammhöhlen waren bei der Untersuchung nicht besetzt, es ist aber nicht auszuschließen, dass sie in den nächsten Tagen oder Wochen von den Fledermäusen aufgesucht werden, da sie jetzt anfangen ihre Winterquartiere aufzusuchen. Für die höher gelegenen Baumhöhlen sind Sicherungsvorkehrungen notwendig, die bei dieser Untersuchung nicht eingeplant waren. Das starke Auftreten des Abendseglers an diesem Tag und zu dieser Jahreszeit, kann bedeuten, dass der Abendsegler dort sein Winter- oder Balzquartier hat. Abendsegler fliegen im Sommer bis zu 1000 km weit weg und kommen erst im Herbstzeitraum wieder zu ihren Winterquartieren zurück. Dadurch kann man bestimmte Fledermausarten auch nur jahreszeitenbedingt an Standorten antreffen. Für die Begutachtung der Fledermausfauna in Oberscheid- Kramerbusch bedeutet dies, dass über einen Zeitraum von einem gesamten Jahr und nicht nur in einem Zeitraum von ein paar Monaten dort die Beobachtungen durchgeführt werden müssen, um zu exakten Ergebnissen zu kommen. Die zoologische Bestandserhebung und die Bewertung der Besiedlung von Altbäumen und Baumhöhlen im Bereich des geplanten Hochseilgartens bei Odenthal Oberscheid, durchgeführt von Dr. Fritz-Bernd Ludescher (Gutachter wurde beauftragt vom Investor und Betreiber) im Zeitraum von Januar- Juni, ist insgesamt zu kurz und kann zu keinen genauen Ergebnissen führen. Sein Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass alle Baumhöhlen nass und feucht seinen und keine Erweiterung oberhalb des Eingangs hätten. Dadurch sind sie nach seiner Meinung, als Überwinterungsplatz und auch als Sommerquartier für Fledermäuse gänzlich ungeeignet. Der Abendsegler wurde von ihm in den Monaten April- Juni mittels Detektor nur ein einziges Mal an einem Abend mittels Detektor gehört. Es handelte sich dabei nach seiner Aussage, um einen “Vorbeiflug”entlang des Waldrandes - nördlich des Kuppenwaldes (Kramerbusch). Regelmäßiger wurden einzelne Exemplare anderer Arten von ihm gesichtet, deren Laute bei ca. 40 KHz ihr Maximum hatten. Er beschreibt die Fledermaus als eine relativ kleine Art - in seinen Augen “wahrscheinlich die Zwergfledermaus” (dabei gehört sie zu den Arten, die man am genauesten identifizieren kann!). Weiter schreibt er: “Die Anzahl der per Detektor und Sicht vorkommenden Individuen ist sehr gering: fast stets waren nur Einzeltiere zu beobachten, die entlang der Waldränder flogen. Lediglich an einem Abend waren 3 Exemplare der kleineren 40 KHz Art (cf. Zwergfledermaus) gleichzeitig zu sehen. Mit den Sichtbeobachtungen harmoniert auch die über den Detektor wahrnehmbare, sehr geringe Impulsdichte.” Dazu ist zu sagen, dass Frau Höller an zwei Beobachtungstagen eine sehr hohe Impulsdichte von Fledermäusen empfangen hat. Zu den Fangaktivitäten per Netz schreibt er:” Die Fangaktivitäten mit aufgespannten Netzen am Oberscheider Bach, sowie quer zum Waldrand des Kuppenwaldes erbrachten keinen Erfolg, auch dann nicht, wenn die Netze bis in 8 m Höhe reichten.” Bei den Fledermauskästen stellte er ebenfalls keine Besiedlung fest.
So kommt er zu folgendem Ergebniss, dass auch ihnen vorliegt und das wir anzweifeln:
“Aufgrund der dargelegten Befunde zum Vorkommen planungsrelevanter bzw. streng geschützter Tierarten lässt sich gemäß vorgenannter Ausführungen -bezogen auf diese Arten bzw. Artengruppen - aus naturschutzfachlicher Sicht kein Hinderungsgrund für eine Realisierung des geplanten Vorhabens “Klettergarten Oberscheid” ableiten.”
Diese Aussagen sind nicht in Ordnung, wenn man bedenkt wie viele Fledermausarten Frau Höller bei zwei Begehungen des Gebietes beobachten konnte. Die Beobachtungsergebnisse werden natürlich auch an die Untere Landschaftsbehörde weitergeleitet. In diesem Fall ist es notwendig ganz genau zu erfassen, wo die Fledermäuse ihre Rückzugsmöglichkeiten, Balz- oder Winterquartiere haben.
In der Anlage finden Sie das Gutachten von Frau Höller. Die Beobachtungsergebnisse vom 20.09.08 sind mit einem anderen Schriftbild versehen!
Bitte bedenken Sie bei der Ratsentscheidung am 23.09.08, in der es um die Genehmigung des Baus vom Hochseilgarten Eikamp geht, dass noch wichtige abschließende Untersuchungen in dem Gebiet getroffen werden müssen, damit man die Fledermausarten in Zukunft nicht gefährdet.
Die Dorfgemeinschaft Eikamp e.V. empfiehlt den Ratspolitikern die Entscheidung “Hochseilgarten” auf eine andere Sitzung zu verschieben, um die noch anstehenden Untersuchungsergebnisse zu erhalten. Damit würden Sie der Natur eine faire Chance geben!
Mit freundlichen Grüßen
Kai Dehler